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„Das Beste aus zwei Welten“ – Duales Studium bei der BG ETEM

Wolfgang Knobloch über das duale Studium Unfallversicherung

Hauptverwaltung der BG ETEM in Köln. © BG ETEM Hauptverwaltung der BG ETEM in Köln. © BG ETEM
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Interviews

 

Ein duales Studium ist für viele Schüler*innen der ideale Einstieg ins Berufsleben – vor allem dann, wenn man sich nicht zwischen Theorie und Praxis entscheiden möchte. Statt nur im Hörsaal zu sitzen oder ausschließlich im Betrieb zu arbeiten, verbindet dieses Modell beides: Du studierst an einer Hochschule und sammelst gleichzeitig wertvolle Praxiserfahrung.
 

Gerade im Bereich der Versicherungen bedeutet das mehr als nur einen abwechslungsreichen Karriereweg: Bei der gesetzlichen Unfallversicherung geht darum, Menschen professionell in schwierigen Situationen zu unterstützen und die Folgen zu bewältigen – eine Tätigkeit mit echtem Mehrwert. Du übernimmst früh Verantwortung, bist ins Team eingebunden und erlebst die ganze Bandbreite des Berufs – während du parallel im Studium das nötige Hintergrundwissen auf höchstem Niveau vermittelt bekommst. „Das Beste aus zwei Welten“, findet auch unser Gesprächspartner Wolfgang Knobloch von der BG ETEM.

Wie genau ein solches duales Studium aufgebaut ist, welche Voraussetzungen du mitbringen solltest und welche Perspektiven dich danach erwarten, erklärt er uns hier im Interview.

 

 

„Die Berufsgenossenschaften sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland.“

 

IfT: Herr Knobloch, Sie sind tätig für die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse, kurz BG ETEM. Bevor wir zum Thema „duales Studium“ kommen, möchte ich Sie bitten, uns zum Einstieg kurz zu erklären, was eigentlich eine Berufsgenossenschaft ist?
 

Wolfgang Knobloch: Die Berufsgenossenschaften sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland. Sie unterstützen Unternehmen bei Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Wenn es tronichtz aller Arbeitsschutzmaßnahmen zu Arbeitsunfällen undBerufskrankheiten kommt, kümmern sie sich um Verletzte und Erkrankte, indem sie für deren optimale Rehabilitation sorgen.
 

IfT: Und welche Aufgaben bzw. Tätigkeitsfelder hat die BG ETEM konkret?
 

Knobloch: Wir beraten in den Unternehmen zu allen Fragen zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz. Wir bieten Schulungen an und initiieren Forschungsprojekte. Darüber hinaus überwachen wir auch die Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften.  
 

Und wenn doch einmal ein Unfall passiert oder eine Berufskrankheit auftritt, begleiten wir die Menschen durch den Rehabilitationsprozess. Ein Unfall ist ein einschneidendes Erlebnis und in vielen Fällen sogar lebensverändernd. Der Körper oder die Seele ist verletzt und die Menschen machen sich in dieser Situation Sorgen, haben viele Fragen, ihr Alltag ändert sich vielleicht von Grund auf. Entscheidungen müssen getroffen werden und ein langwieriger Rehabilitationsprozess mit Beteiligung von Ärzten, Therapeuten, Kliniken und noch vielen mehr erfordert Planung und Koordination. Dabei helfen wir den Menschen auf vielfältige Weise, beispielsweise durch Beratung oder Vermittlung von Arztterminen. Wir versorgen die Menschen mit Geld- und Sachleistungen, um Zukunftssorgen zu lindern und planen die Therapie vom Anfang bis zum Ende mit allen Beteiligten zusammen.

 

„Hier arbeiten Menschen für Menschen.“

 

Wir kombinieren die Vorteile des öffentlichen Dienstes mit modernen Arbeitsplätzen, wie es sie auch in der Wirtschaft gibt. KI-Anwendungen sind bei uns zum Beispiel schon seit Längerem im Einsatz. Natürlich müssen auch wir manchmal Entscheidungen treffen, die beim Patienten nicht so gut ankommen, aber hier arbeiten Menschen für Menschen und das Gesetz gibt uns viele Möglichkeiten, unbürokratisch und schnell zu helfen – und diese Möglichkeiten nutzen wir auch. Jeder Patient ist anders und es gibt keine zwei identischen Verletzungen oder Erkrankungen, dementsprechend kümmern wir uns um alle unsere Patienten hoch individuell.
 

IfT: Bei der BG ETEM kann ich sowohl eine Ausbildung als auch ein duales Studium machen. Was erwartet mich bei einem dualen Studium – und worin unterscheidet es sich von einer klassischen Ausbildung oder einem normalen Studium?
 

Knobloch: Bei einer reinen Ausbildung ist man von Beginn an angestellt und bezieht eine Ausbildungsvergütung. Die Ausbildung findet hauptsächlich im Betrieb statt und man besucht die Berufsschule. Am Ende hat man einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf oder darf sich im Handwerk Geselle/Gesellin nennen, hat aber keinen akademischen Titel – dafür sind die Zugangsvoraussetzungen geringer. Man benötigt für eine Ausbildung keine Hochschulreife.
 

Bei einem Vollstudium ist man dagegen nicht angestellt, bezieht also kein Gehalt und muss sich über klassische Studentenjobs oder BAföG-Leistungen sein Leben und das Studium selbst finanzieren.

 

„Ein duales Studium ist das Beste aus zwei Welten.“

 

Ein duales Studium ist eine Kombination aus einer Ausbildung und einem Studium – man könnte sagen, das Beste aus zwei Welten. Wie bei einer Ausbildung ist man von Anfang an angestellt und bezieht ein Gehalt, studiert jedoch an einer Hochschule – aber eben nicht nur. Neben den Hochschulphasen gibt es auch Praxisphasen, die dann im Betrieb stattfinden.
 

Beim dualen Studium übernehmen wir die Studiengebühren, die Unterbringung und sogar die Verpflegung an der Hochschule, geben Zuschüsse für Literatur, zum Deutschlandticket und statten unsere Studierenden mit einem Laptop aus.
 

IfT: Wird das duale Studium an allen Standorten angeboten?
 

Knobloch: Ja, das duale Studium bieten wir an mehreren Standorten an. Eine klassische Ausbildung gibt es ausschließlich an unserem Hauptstandort Köln und dort auch nur in ausgewählten Bereichen wie beispielsweise der IT oder der Abteilung Mitglieder und Beitrag.

 

„Man sollte ein Menschenfreund sein und gerne mit Menschen arbeiten.“

 

IfT: Welche Voraussetzungen sollten Schüler*innen mitbringen, wenn sie sich für ein duales Studium „Gesetzliche Unfallversicherung“ interessieren?
 

Knobloch: Man sollte schon tendenziell ein Menschenfreund sein und keine Scheu davor haben, mit Menschen zu kommunizieren. Für unsere Tätigkeit sind Hilfsbereitschaft, aktives Handeln und Entscheidungsfreude gefragt, schließlich wollen wir ja gerade kein langsames, bürokratisches Monster sein. Wer diese Attribute erfüllt und gerne im Büro arbeitet, ist genau richtig bei uns.
 

IfT: Die Hälfte eines dualen Studiums ist logischerweise das Studium. Welche Fächer erwarten die Studierenden an der Hochschule und braucht man dafür besondere Vorkenntnisse?
 

Knobloch: Nein, man benötigt keine besonderen Vorkenntnisse. Latein ist zwar von Vorteil, aber nicht zwingend notwendig. Im Studium werden Sozial- und Verwaltungsrecht, medizinische Grundlagen, Rehabilitationsmanagement, Ökonomie, Psychologie und noch einiges mehr vermittelt. Hinzu kommt der Erwerb von Schlüsselkompetenzen wie Kommunikation oder Sozial- und Selbstmanagement.

 

„Unsere ‘Dualis’ arbeiten von Anfang an aktiv mit.“

 

IfT: Und welche Aufgaben übernehmen dual Studierende während der Praxisphasen bei der Berufsgenossenschaft?
 

Knobloch: Die Praxisphasen sind eng mit den Hochschulphasen verzahnt und auch vollständig in das Curriculum integriert. Unsere „Dualis“ arbeiten von Anfang an mit und bekommen von den Praxisbetreuenden Fälle zugewiesen, die sie zunächst unter Anleitung, später dann auch zunehmend eigenständig je nach Schwierigkeitsgrad bearbeiten. Dabei greifen wir die theoretischen Inhalte aus der Hochschulphase auf und füllen diese mit praktischem Leben.

 

„Die Berufsgenossenschaften bieten ein breites Spektrum an Karrierewegen“

 

IfT: Abschließend sind natürlich auch die Karriereaussichten interessant. Können Sie kurz skizzieren, welche Berufs- und Entwicklungsmöglichkeiten man mit dem dualen Studium „Gesetzliche Unfallversicherung“ in der Tasche hat?
 

Knobloch: Das Studium schließt man mit dem international anerkannten Abschluss Bachelor of Arts ab. Damit eröffnen sich allein schon viele Möglichkeiten, aber natürlich hat man auch bei der Berufsgenossenschaft viele Optionen, sich weiterzuentwickeln. Da wären das Reha-Management im Außendienst oder die Leitung eines Teams mit Personalverantwortung, um nur zwei Varianten zu nennen. Die Berufsgenossenschaften bieten auch einen geförderten Masterstudiengang an, der ein noch breiteres Spektrum an Karrierewegen eröffnet.
 

IfT: Was würden Sie Schüler*innen raten, die unsicher sind, ob ein duales Studium für gesetzliche Unfallversicherung zu ihnen passt?
 

Knobloch: Nehmt Euch einen halben Tag Zeit und schnuppert mal bei uns rein. Bei einem Schnuppertag lernt Ihr Aufgaben, Menschen und Umfeld kennen und könnt danach besser beurteilen, ob unser Studium etwas für Euch ist.


IfT: Vielen Dank für das Interview!