Langsam und unflexibel – Klischees und Vorurteile über Ämter gibt es viele. Dort arbeiten? Langweilig, eintönig und nur mit viel Kaffee möglich. Dass dem nicht so ist und es sich eigentlich um das genaue Gegenteil handelt, bestätigt uns Josephine Post (17) im Gespräch über ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement im Landratsamt Fürstenfeldbruck.
(lw) Für Josephine war schnell klar: Sie möchte direkt nach der Schule eine Ausbildung machen. Nur in welche Richtung es gehen sollte, wusste sie noch nicht. Wie viele Jugendliche wollte sie endlich aktiv werden, berufstätig sein und ihr eigenes Geld verdienen. Die 17-Jährige hat deshalb nach ihrem Realschulabschluss viel Zeit investiert, um zu recherchieren, was zu ihr passen könnte. Ihr war wichtig, etwas zu finden, woran sie Freude hat und das sie interessiert. Die Arbeit in einem Büro fand sie schon immer toll: „Mir hat der Gedanke gefallen, dass man an seinem Laptop sitzen kann und vielleicht ein kleines Team hat und da zusammenarbeitet“, so die Auszubildende. Auf das Landratsamt wurde Josephine schließlich auf einer Messe aufmerksam und war beeindruckt von den Möglichkeiten, die ihr eine Ausbildung dort bieten würde.
„Noten sind wichtig, aber nicht ausschlaggebend.“
Nach ihrer relativ spontanen Bewerbung zum Ende der Frist überzeugte Josephine und durfte schließlich als eine von über 20 Nachwuchskräften ihre Ausbildung im Landratsamt Fürstenfeldbruck beginnen. Dabei ist sie nur eine von Zweien, die zur Kauffrau für Büromanagement (KfB) ausgebildet werden – eine Fachrichtung, die 2025 dort erstmalig angeboten wurde. Formale Mindestvoraussetzung war, wie bei fast allen Ausbildungsrichtungen im Landratsamt, die Mittlere Reife bzw. der Realschulabschluss. Die Bewerbung konnte sie ganz einfach digital über das Onlineportal des Landratsamtes einreichen.
Die erste Abteilung, in der Josephine arbeiten durfte, war die Abteilung für Stellenbesetzung und Personalentwicklung. In Sachen Bewerbung bringt sie also schon viel Fachwissen mit und weiß: Wer aus den vielen Dutzend Bewerbungen, die jährlich beim LRA eingehen, herausstechen will, sollte sich Mühe beim Lebenslauf geben: „Der erste Eindruck ist entscheidend.“ Ordentlich, formell richtig und vollständig sollte er sein. Denn nach Lebenslauf, Zeugnissen und weiteren Unterlagen wird nach und nach eine Vorauswahl von Bewerber*innen getroffen, die dann zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Aber besonders relevant sind das Persönliche und das Zwischenmenschliche: „Noten sind wichtig, aber nicht ausschlaggebend. Deswegen haben wir echt viele Vorstellungsgespräche.“ Essenziell für die Ausbildung seien Teamfähigkeit, gute Kommunikationsfähigkeit, Belastbarkeit, eine strukturierte Arbeitsweise und Zuverlässigkeit.
„Man darf wirklich alles fragen. Auch zehn Mal.“
Diese Eigenschaften helfen ihr persönlich auch in ihrem Arbeitsalltag in den Abteilungen, die sie nach und nach kennenlernen darf. Aktuell arbeitet sie im Gewerbeamt. Der Wechsel zwischen den Bereichen sorgt dabei für Abwechslung und gibt den Auszubildenden einen umfassenden Einblick in die Verwaltung. „In der Regel ist man immer so zwei bis drei Monate in einer Abteilung. In meiner ersten Abteilung war ich aber zum Beispiel sieben Monate am Stück. Das war nicht geplant, hat aber einfach gepasst.“ Der regelmäßige und dennoch flexible Abteilungswechsel ist zentraler Bestandteil der Lehrzeit und nur eines der positiven Merkmale. Auch kann man Wünsche äußern, die nach Möglichkeit erfüllt werden.
Die Zeit in den Abteilungen beginnt immer ähnlich: Die Ausbildungsbeauftragten der jeweiligen Abteilung zeigen alles, die Auszubildenden schauen über die Schulter, werden eingearbeitet und dürfen dann schnell erste Aufgaben übernehmen: „Man bekommt schnell Vertrauen und Verantwortung und darf etwas selbst machen.“ Besonders gefällt Josephine das offene Arbeitsumfeld: „Man bekommt immer wieder gesagt, dass es keine dummen Fragen gibt. Also man darf wirklich alles fragen. Auch zehn Mal.“
„Der Lerntag ist schon so ein Punkt, über den ich sehr happy bin.“
Als Ausbildungsbetrieb bietet das Landratsamt Fürstenfeldbruck aber noch einiges mehr. Gleich zu Beginn der Ausbildung gibt es eine Einführungswoche. Hier bekommen die Azubis die Gelegenheit, sich gegenseitig und das Amt bei gemeinsamen Aktivitäten kennenzulernen. Mit Unternehmungen wie Bowling, einem gemeinsamen Grillen, Kennenlernspielen und Besuchen in verschiedenen Außenstellen starten die Jugendlichen in ihre Ausbildungszeit. Auch während des Jahres gibt es immer wieder gemeinsame Unternehmungen: Dazu gehören Betriebsausflüge wie ein Tagestrip nach Berchtesgaden, ein Wochenende in Prag, Besichtigungen im Landtag oder der Besuch von Verhandlungen im Verwaltungsgericht.
Da wie in jeder Ausbildung auch hier die Berufsschule eine große Rolle spielt, gewährt das Landratsamt seinen Auszubildenden einen wöchentlichen Lerntag. Hierfür werden einem sechs Arbeitsstunden gutgeschrieben. Nach einer gewissen Zeit dürfen die Azubis sogar zu Hause lernen. Einzige Bedingung: Die Noten müssen passen. Josephine plant ihren Lerntag freitags ein und ist begeistert von den Vorzügen, die ihr diese Freiheit in Bezug auf ihre Berufsschule bietet: „In meiner Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement habe ich jede Woche mittwochs und donnerstags Berufsschule. Der Freitag ist dann für mich ein Tag, wo ich mich wirklich auf die Schule konzentrieren kann.“ Diese Option hat Josephine zu Beginn total überrascht, wie sie sagt: „Das war schon sehr unerwartet, einfach einen Tag in der Woche zum Lernen zu bekommen. Der ist aber schon so ein Punkt, über den ich sehr happy bin.“
Für die kommenden Jahre sieht Josephine den Vorteil noch deutlicher: „Ab nächstem Jahr habe ich jede Woche nur noch einen Tag Schule. Das heißt, dass ich auch mehrere Arbeiten an einem Tag schreiben kann. Aber Exen (Anm der Red.: unangekündigte Tests) werden bei uns angekündigt und mündliche Noten gibt es nicht. Man kann sich also schon immer gut vorbereiten. Und da wir diesen Lerntag haben, fällt’s mir halt umso leichter.“
„Es wird hier wirklich immer versucht, eine Lösung zu finden, die für alle passt.“
Josephines Berufsschule ist direkt in Fürstenfeldbruck. Während ihrer dreijährigen Ausbildung besucht sie aber auch, aufgeteilt in sieben Blöcken von jeweils zwei bis drei Wochen, die Verwaltungsschule in München. Josephine ist dabei nicht nur als der erste Jahrgang KfB-Auszubildende im Landratsamt eine Art Vorreiterin, sondern auch in der Verwaltungsschule: „Für die BVS (Bayerische Verwaltungsschule) gibt es diese riesigen Gesetzesbücher. Die nutzen wir in meiner Ausbildungsrichtung online. Da sind wir der erste und bisher einzige Jahrgang, mit dem das getestet wird.“ Josephine genießt diese Besonderheit ihres Jahrgangs: „Ich komme da nur mit meinem Laptop hin und muss nicht diese großen Bücher mitschleppen. Das ist schon cool.“ Auch die Prüfungen werden mit einer Offlineversion der Gesetzestexte geschrieben, die eine Suchfunktion hat. Damit spart sich Josephine das ewige Blättern auf der Suche nach benötigten Paragrafen.
An ihren regulären Arbeitstagen ist Josephine in der Abteilung und lernt alles rund um deren Arbeitsabläufe, Aufgaben und Besonderheiten. Ihre Arbeitszeit richtet sich dabei nach den Gegebenheiten: „In der Kernzeit von 08:30 Uhr bis 12:00 Uhr müssen wir im Amt sein. Aber zwischen 06:30 Uhr und 08:30 Uhr kann man eigentlich anfangen, wann man will. Ich persönlich richte mich da immer ein bisschen nach der Abteilung.“ Dass das Landratsamt als Arbeitgeber auch hier mit Flexibilität überzeugt, hat Josephine schon früh gemerkt: „Manche Termine kann man nicht nach 17:00 Uhr machen. Man muss halt offen kommunizieren und dann gibt’s immer einen Kompromiss. Es wird hier wirklich immer versucht, eine Lösung zu finden, die für alle passt.“
All das sind Faktoren, die Josephine an ihrer Lehrstelle sehr schätzt. Sie selbst ist glücklich, hier ausgebildet zu werden, und sieht auch mit Blick auf die Zukunft, welche Türen ihr dadurch offen stehen: „Hier hat man gute Übernahmechancen nach der Ausbildung und dann auch richtig viele Möglichkeiten.“ Generell mangelt es an im Landratsamt nicht an Optionen nach der Ausbildung: Es gibt eine Reihe an Fortbildungsangeboten und Aufstiegsmöglichkeiten, die den Azubis eine Perspektive für die Zukunft geben. Beispielsweise den BL2, ein Beschäftigungslehrgang mit einer Dauer von zwei Jahren, der als kommunale Aufstiegsfortbildung gilt und den Aufstieg vom mittleren in den gehobenen Dienst ermöglicht. Absolvent*innen des Lehrgangs können sich im Anschluss auf Führungsposten und als Abteilungsleitungen im Landratsamt bewerben. Welche Weiterbildungsmöglichkeiten Josephine nach ihrer Ausbildung nutzt und wann, weiß sie noch nicht genau. Ihre erste Priorität ist, die kommenden zwei Jahre ihrer Ausbildung ebenso erfolgreich zu meistern wie ihr erstes Jahr.
„Wenn du es nie machst, dann lernst du es auch nicht.“
Worauf sie sich in diesen Jahren noch konzentrieren will, ist ihre Amtszeit als Vorsitzende der Jugendauszubildendenvertretung (JAV). In dieser Funktion vertritt sie die Interessen der Auszubildenden, ist Anlaufstelle bei Problemen und Herausforderungen und nimmt an Personalratssitzungen teil. Die JAV, bestehend aus insgesamt neun Mitgliedern, vier davon Ersatzmitglieder, übernimmt damit eine wichtige Rolle hinsichtlich Vertretung der Nachwuchskräfte. Josephine ließ sich zur Wahl aufstellen, weil sie sich noch gut daran erinnert, welche Rolle die JAV anfangs für sie gespielt hat: „Ich war selbst am Anfang schüchtern und fand es gut, dass ich da jemanden zum Reden hatte. Deswegen habe ich mir gesagt: ´Ich mach das. Ich möchte auch anderen helfen.‘“
Josephine ist berechtigterweise stolz, in die Position der Vorsitzenden gewählt worden zu sein: „Ich bin froh und dankbar für diese Chance und hätte zu Ausbildungsbeginn nie gedacht, eine solche Verantwortung zu übernehmen.“ Die 17-Jährige traut sich diese Aufgabe aber zu, da sie nach dem ersten Jahr ihrer Ausbildung weiß, wie sehr sie an ihren Herausforderungen wächst: „Ich war am Anfang auch oft unsicher. Da fand ich es gut, dass man mich auch einfach mal ins kalte Wasser geschmissen hat. Wenn du es nie machst, dann lernst du es auch nicht.“ Josephine erinnert sich an die ersten Telefonate, die sie Überwindung kosteten. Denn trotz eines Telefontrainings zu Beginn ihrer Ausbildung erging es Josephine damit wie vielen Jugendlichen heute, die in solchen Momenten besonders Angst haben, Fehler zu machen. Josephine aber weiß: „Jeder Mensch macht Fehler. Du wächst daran und du machst es für dich. Irgendwann wird es dir leichter fallen.“
„Ich hatte wirklich noch keine schlechten Erfahrungen“
Eine Ausbildung in einer kommunalen Verwaltung wie dem Landratsamt scheint demnach alles andere, als die Klischees eines Amtes zu erfüllen. Trotzdem begegnen auch Josephine oft vorurteilsbehaftete Fragen wie „Ist das nicht langweilig?“, wenn sie von ihrer Ausbildung im Landratsamt erzählt. Sie selbst hatte dieses Bild lange (drucken, kopieren, stempeln, Kaffee trinken, Mittag machen), aber seitdem sie selbst Teil des Verwaltungskomplexes ist, kann sie bestätigen, dass die Arbeit im LRA nicht langweilig und staubig ist. Ein Vorurteil, das Josephine jedoch zu Teilen bestätigen kann, ist eine längere Bearbeitungsdauer mancher Vorgänge. Aber auch hier weiß sie: „Es gibt immer einen Grund. Es kann gut mal sein, dass ein Fall über mehrere Abteilungen geht.“ Das bringt eine gewisse Länge mit sich. Krankheitsfälle, Urlaubstage, normale Prüfungsprozesse – alles Gründe für Verzögerungen. Aber nichts Außergewöhnliches, das nicht auch in Unternehmen vorkommen würde. Gerade weil viele Bürger*innen früher oder später mit dem Landratsamt in Kontakt kommen, bleiben einzelne Fälle oft im Gespräch. „Wir versuchen trotzdem, immer alles so schnell wie möglich zu erledigen“, so die Auszubildende.
Ihre Ausbildung kann Josephine in drei Worten zusammenfassen: „Interessant, lehrreich, und vielseitig.“ Damit relativiert sie nicht nur das staubige Bild eines Amtes, sondern zeigt auf, dass es sich in ihrem Fall eher um einen Entwicklungsplatz mit viel Menschlichkeit und großen Chancen handelt. Josephines Fazit: „Es ist eigentlich alles perfekt: Schule läuft, die Arbeit läuft. Ich hatte wirklich noch keine schlechten Erfahrungen. Ich bin sehr froh, dass ich mich hier beworben habe.“
Quellen:
Interview mit Josephine Post (geführt von Lara Wachter)
Landratsamt Fürstenfeldbruck: „Das Landratsamt bildet aus: Neue Nachwuchskräfte sind gestartet“, 08.09.2025, online: https://www.lra-ffb.de/aktuelles/aktuelles/das-landratsamt-bildet-aus-neue-nachwuchskraefte-sind-gestartet
Autorin: Lara Wachter studiert Journalismus, arbeitet als Werkstudentin in der Projektorganisation des Instituts für Talententwicklung und schreibt für das vocatium magazin.
11.08.2026