Die Ausbildung zum Dachdecker ist abwechslungsreich, praxisnah und bietet vielfältige Karrierechancen. Mario Bayer von Schaldach & Schröter begeistert uns im Interview für das Dachhandwerk!
Vom Ferienjob auf dem Dach bis zum Meister: Mario Bayer, Dachdeckermeister und Bauleiter der Firma Schaldach & Schröter Dachbau GmbH, erzählt, wie er eher zufällig zum Dachdeckerhandwerk kam und gleich begeistert war, warum Mathematik und Sportlichkeit gefragt sind und weshalb er das Dachdeckerhandwerk als echtes Zukunftsgewerk sieht. Im Interview gibt er Einblicke in seinen Berufsalltag, die vielfältigen Karrierechancen und hat auch einen Tipp für interessierte Schüler*innen.
„Mensch, das kann was sein!“
IfT: Wir stehen hier mit Mario Bayer auf einer Baustelle – direkt neben einem Dach, das gerade gebaut wird. Der beste Ort, um zu fragen: Wie bist du eigentlich auf den Beruf gekommen? War das geplant oder war das Zufall?
Mario Bayer: Ja, wie bin ich darauf gekommen, Dachdecker zu werden? Es war tatsächlich eher Zufall. Es begann damit, dass mich damals ein guter Freund von mir ansprach – dessen Hausdach musste gedeckt werden, es war Ferienzeit und was macht man in den Ferien? Durchaus mal eine Ferienarbeit. Und so begann das Ganze, dass ich dann auf dem Dach gestanden habe als junger Bursche und stellte da schon fest: Mensch, das kann was sein! Und so hat sich das schnell entwickelt – ich habe dann eine Bewerbung abgegeben, es war ja nun die richtige Zeit und dann ging es auch schon los in die Lehre.
IfT: Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus und was macht dir da am meisten Spaß?
Mario: Ja, wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus? In meinem Fall als Dachdeckermeister und Betriebsleiter natürlich sehr umfänglich. Morgens geht es zeitig los in der Firma. Erstmal alles aufschließen, vorbereiten, bis dann unsere Jungs in die Firma kommen.
Dann werden Absprachen getroffen, Bauzeichnungen durchgegangen. Und dann geht es auch schon los zu den Baustellenterminen, auf die Baustellen fahren – und auch, dass ich natürlich selber dann aktiv dabei bin und wir unsere Dächer in entsprechend gewohnter Qualität dann rocken können.
Sportlich auf dem Dach – „aber es macht eine Menge Spaß!“
IfT: Wenn ich mich jetzt für eine Dachdeckerausbildung interessiere, welche Voraussetzungen sollte ich denn da vielleicht auch mitbringen?
Mario: Ja, Voraussetzung für die Dachdeckerausbildung, da sollte ich schon irgendwo ein Verständnis für die Mathematik mitbringen. Das ist ein Riesenthema heutzutage in der Schule. Wir besuchen noch viele Schulen, da bin ich viel dabei, um mit den regionalen Schulen in Kontakt zu sein, um dort im Unterricht auch mal genau das Thema vorzustellen: Worauf kommt es bei uns an? Auf Mathematik, natürlich auf Verständigung, auf Sportlichkeit. Auch ein Riesenthema, sportlich auf Dach. Man sieht es ja, wie gesagt, ein bisschen Kletterei ist es. Aber es macht eben eine Menge Spaß!
Und das sind so die Rüstzeuge, die man mitbringen sollte oder braucht. Auch den Satz des Pythagoras, wo mich dann immer alle nochmal angucken: Mensch, was will er jetzt von uns? Das sind so Sachen, die wird man bei uns im Gewerk wiederfinden in abgewandelter Form. Bei uns heißt es nur anders, aber die Basics sind die gleichen. Und das sollte man schon dann irgendwo – wieder – beherrschen.
„Der Dachdeckerberuf ist einer der umfänglichsten Berufe, die wir im Handwerk haben“
IfT: Und was lernt man da eigentlich konkret? Ist es, sag ich mal, nur die Verlegung von Dachzielen oder ist es noch mehr?
Mario: Ja, der Dachdeckerberuf ist von seinem ganzen Inhalt her einer der umfänglichsten Berufe, die wir im Handwerk inzwischen haben. Der Elektriker ist mit den Theoriestunden noch vor uns, aber der Dachdecker in seiner praktischen Arbeit vom Umfang her inzwischen das größte Gewerk, das kann man so – mit Stolz – sagen. Was natürlich bedeutet, dass in den drei Jahren Ausbildung – so lange dauert regulär die Ausbildung, außer ich bin Durchstarter, der es in zweieinhalb Jahren schafft –, ein vollgepacktes Pensum steckt, das wir da unterweisen.
Und wir haben bei weitem nicht nur mit dem Steildach zu tun, wo der Dachziegel hier zum Einsatz kommt (Mario deutet auf die Baustelle), sondern das geht vom Keller, über die Isolierung des Hauses, über die einzelnen Etagen, über Balkone, Terrassen, bis zum Flachdach in alle Bereiche rein. Also mega umfangreich.
IfT: Welche Karrierechancen hat man nach der Ausbildung als Dachdecker? Kann ich mich auch irgendwie spezialisieren?
Mario: Ja, zum Thema Spezialisierung im Dachdeckerhandwerk – das ist eine spannende Sache, weil es da viel gibt. So wie eben schon gesagt, bilden wir umfänglich aus. Da ist es so, dass seit 2016 im Rahmen der Neuordnung der Ausbildungsordnung die Schwerpunktausbildung wieder Thema geworden ist. Nicht ganz eine Neuerfindung. Wer mal ganz früh ins Geschichtsbuch guckt, wird feststellen: Das gab es schon mal, ist dann aber weg gewesen. Jetzt gibt es aber wieder eine Schwerpunktausbildung, bei der wir in fünf Schwerpunkten ausbilden. Jeder Dachdecker-Azubi wird die gleichen Basics haben in den ersten zwei, zweieinhalb Jahren und im letzten halben Jahr geht es noch mal wirklich in den Schwerpunkt. Ob Dachdeckungstechnik, ob Abdichtungstechnik, ob Außenwandbekleidung, die Reetdachtechnik oder die Energiegewinnung – was ja auch ein Riesenthema ist mit Solar – und diese Themen, diese fünf Schwerpunkte, da gucken wir, wo der Lehrling dann am besten aufgehoben ist. Ansonsten kriegen sie, wie gesagt, alle die gleichen Basics.
„Auch als Frau ist Dachdecker Zukunft!“
IfT: Wie sieht es aus mit Frauen im Handwerk?
Mario: Frauen im Handwerk ist ein Thema und noch mehr Thema bei uns im Dachhandwerk. Wir hatten jetzt erst wieder auf unserer größten Messe in Köln, der Dach+Holz, die Vereinigung der Dachdecker-Frauen, die nennen sich „Dachdeckermädelz“. Das ist eine Vereinigung von knapp 200 Mitgliedern aus Junggesellinnen und Dachdeckermeisterinnen, die sich zusammengetan haben aus ganz Deutschland. Die Sache bewährt sich natürlich, denn auch als Frau ist Dachdecker Zukunft!
IfT: Hast du Tipps für Leute, die überlegen, sich zu bewerben?
Mario: Ja, um sich bei uns im Dachhandwerk oder bei uns in der Firma sogar zu bewerben, habe ich folgenden Tipp: Man sollte inzwischen ja etwas schneller sein. Warum? Weil wir im Dachdeckerhandwerk, und das können wir mit Stolz sagen, einen Zuwachs an Lehrlingen haben. Wir sind wirklich ein Gewerk, was mit der Ausbildungskurve steil nach oben geht und dementsprechend tatsächlich auch wieder mal geguckt wird, nimmt man ihn, nimmt man ihn nicht, sind die Voraussetzungen da? Und deswegen schnell sein, schulische Voraussetzungen mitbringen und durchaus nicht ganz unsportlich sein. Und dann kann das was werden.
„Wir sind ein Zukunftsgewerk!“
IfT: Also siehst du den Job auch als Zukunftsjob – da haben ja viele Leute heute Angst.
Mario: Das ist eine spannende Frage. Zukunftsjob? Wir sind ein Zukunftsgewerk! Wir sind ein Energiegewerk, weil wir Dachdecker mit Solar zu tun haben –Solar ist ein großes Thema. Wir haben mit Gründach zu tun. Und diese beiden großen Player, Gründach und Solar, werden uns in Zukunft weiterhin begleiten. Da sind wir Dachdecker genau die, die sich um dieses Thema kümmern.
IfT: Klingt sehr gut! Und wir treffen dich ja auch auf der Vocatium, oder?
Mario: Und so ist es. Wir sind seit einigen Jahren jetzt schon auf der Vocatium dabei. Wie ich finde, die beste Messe in dem Genre, die man finden kann. Auf zwei Tage werden ca. 2.000 Schüler teils mit Bussen zu dieser Messe gebracht. Diese Schüler haben eine Richtung, die haben einen Plan, gehen zu ihren einzelnen Stationen und dort können wir unser Dachhandwerk bewerben. Das macht mit den jungen Menschen, die da hinkommen, eine Menge Spaß. Und deswegen bin ich da schon seit einigen Jahren bei – auch dieses Jahr wieder.
IfT: Vielen Dank für das Interview!
Weitere Informationen:
Einen Überblick zur Ausbildung findest du hier auf der Seite ‚Das Handwerk‘ der Deutschen Handwerkskammer.
Die Seite der Schaldach & Schröter Dachbau GmbH in Trebbin (bei Berlin) findest du hier.
Mehr zu den Dachdeckermädelz gibt es hier.
Und viele Ausbildungsbetriebe in ganz Deutschland findest du in unserer Suchbörse.
01.06.2026