Der Leistungsdruck in der Schule ist für viele Jugendliche Alltag. Doch welche Maßnahmen helfen wirklich dabei, mit Stress umzugehen? Eine Auswertung eines Aktionstags zur Stressresilienz an einem bayerischen Gymnasium liefert dazu konkrete Hinweise.
(ps) Schulische Leistungen sind ein Lebensthema für Jugendliche seit es Schulen gibt. Doch wie die schulische Leistung bewertet wird, was erwartet wird und was Jugendliche selbst von sich erwarten – das ist in stetem Wandel. Aktuell wie schon seit Jahren gehen das Streßempfinden und der wahrgenommene Leistungsdruck unter den Schülerinnen und Schülern in Deutschland stetig nach oben. In Zeiten, in denen die Schule mehr und mehr Erziehungsaufgaben übertragen bekommt, ist das ein Problem. Doch es gibt durchaus Lösungsansätze, um den Schüler*innen zu helfen – und die Ergebnisse eines vielversprechenden Projekts wurden nun vorgelegt.
Im Jahr 2023 veranstaltete ein bayerisches Gymnasium einen Aktionstag für mehr als 300 Schüler*innen der Jahrgangsstufen sieben bis zehn. Die Jugendlichen konnten freiwillig aus verschiedenen Angeboten zur Stressbewältigung wählen – darunter Yoga, Achtsamkeitsübungen und Progressive Muskelentspannung. Wissenschaftlich begleitet und ausgewertet wurde das Projekt vom Institut für Praxisforschung und Evaluation (IPE) an der
Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN).
Hilfe erreicht die richtige Zielgruppe
Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Besonders häufig nutzten jene Jugendlichen die Angebote, die sich im Schulalltag stärker belastet fühlten: Schüler*innen mit geringerem schulbezogenen Wohlbefinden nahmen deutlich häufiger an mehreren Workshops teil. Dieser Zusammenhang zeigte sich unabhängig von Geschlecht oder Jahrgangsstufe. Der Aktionstag erreichte damit vor allem diejenigen, die besonders von Unterstützung profitieren könnten.
Dass viele Jugendliche unter Stress stehen, ist kein neues Phänomen. Studien aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zeigen jedoch, dass die wahrgenommene Belastung während der COVID-19-Pandemie deutlich gestiegen ist – und bis heute auf erhöhtem Niveau bleibt. 2025 hat die Bundesschülerkonferenz eine Kampagne gestartet, um genau dieses Problem zu adressieren: „Wir erleben eine Krise der mentalen Gesundheit unter jungen Menschen“, heißt es dort. „Wir müssen eine Schulkultur schaffen, die darauf baut, dass es jungen Menschen an der Schule tatsächlich gut geht“, betont der damalige Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Quentin Gärtner, gegebüber dem ZDF.
Die Frage ist deshalb nicht nur, welche Angebote Schulen machen, sondern auch, ob diese im Alltag der Jugendlichen tatsächlich weiterwirken. Genau hier setzt die Auswertung der Nürnberger Forschenden an. Sie untersuchten, unter welchen Bedingungen Schülerinnen und Schüler die erlernten Methoden später auch außerhalb des Aktionstags anwenden.
Vier Faktoren zeigen sich als entscheidend
Die Forschenden haben vier Faktoren identifiziert, die besonders entscheidend seien, um : Spaß, schnelle Erlernbarkeit, einfacher Einbau in den Alltag, und unmittelbar erlebbarer Nutzen. So können die Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen erfolgreich in den Alltag eingebaut und auch bspw. zuhause praktiziert werden. Die Ergebnisse deuten darüberhinaus darauf hin, dass gezielte schulische Aktionstage mehr sein können als einmalige Veranstaltungen. Wenn die Angebote praktisch, niedrigschwellig und positiv erlebbar sind, können sie Jugendlichen helfen, Strategien zur Stressbewältigung langfristig in ihren Alltag zu integrieren.
Gerade angesichts anhaltend hoher Belastungen im Schulalltag könnten solche Programme eine wichtige Rolle spielen – nicht als Ersatz für strukturelle Veränderungen im Bildungssystem, aber als ergänzende Unterstützung für Schüler*innen und Schüler, die schließlich auch fürs Leben lernen müssen, mit Druck umzugehen. Wenn bewusste Entspannung und Achtsamkeit Teil der Schulkultur wird, wäre mit vergleichsweise geringem Aufwand schon ein Schritt in die richtige Richtung getan.
Quellen:
Evangelische Hochschule Nürnberg: „Was Schülerinnen und Schülern bei Stress wirklich hilft – so kann Schule unterstützen“, Irene Haffa, 10.03.2026; online: idw-online.de/de/news867290
Bundesschülerkonferenz: „‘Uns geht’s gut?’ Eine Kampagne der Bundesschülerkonferenz“; online: bundesschuelerkonferenz.com/wp-content/uploads/2025/10/Finaler_CTA_und_Unterstuetzer_Kampagne_UnsGehtsGut.pdf
Deutsches Ärzteblatt: „Krise der mentalen Gesundheit an Schulen: Schülerkonferenz sieht Handlungsbedarf“, afp, 30.10.2025; online: www.aerzteblatt.de/news/krise-der-mentalen-gesundheit-an-schulen-schulerkonferenz-sieht-handlungsbedarf-ffa4a007-02c9-4dee-aadc-bc70c548e6c0
ZDF heute: „Immer mehr Schüler geraten in seelische Not“, afp, 30.10.2025; online: www.zdfheute.de/panorama/krise-mentale-gesundheit-schueler-100.html
10.03.2026