vocatium Magazin / Wissenschaft und Politik / Einzelhandel: 16. Umsatzrekord in Folge

Einzelhandel: 16. Umsatzrekord in Folge

Aber der Onlinehandel wächst stärker

Familie an der Supermarktkasse (Symbolbild). ©drobotdean via Freepik. Familie an der Supermarktkasse (Symbolbild). ©drobotdean via Freepik.
Beitrag teilen
Wissenschaft und Politik

Sterbende Innenstädte, schwächelnder Einzelhandel? Die aktuellen Zahlen zeichnen ein anderes Bild: Trotz hoher Mieten, Onlineboom und schwieriger Rahmenbedingungen verzeichnet der Handel Rekordumsätze – mahnt aber zugleich dringend politische Reformen an.

 

(ps) Apokalyptiker*innen sagen schon seit Jahren das Sterben der Innenstädte – und damit weiter Teile des Einzelhandels – voraus, weil die Mieten zu hoch und der Onlinehandel zu stark ist. Tatsächlich kämpfen viele gerade kleinere Städte nicht selten mit hohen Leerstandsquoten in den „Einkaufs“-Straßen – die mitunter eigentlich nur noch „Straßen“ sind. Doch auch wenn es diese Beispiele gibt, steht der Einzelhandel insgesamt nicht schlecht da, und viele Innenstädte, von Kleinstädten wie Duderstadt bis Großstädten wie Düsseldorf, können geschäftiges Treiben vorweisen.


Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) belegen dies: trotz wirklich schwieriger Bedingungen konnte der Einzelhandel im Jahr 2025 seinen Umsatz um real (preisbereinigt) 2,4 Prozent steigern. Selbst der für den Einzelhandel mäßig gelaufene Monat November ‘25 ist im Vergleich noch gut: im Vor-Corona-Jahr 2019, also bevor der Onlinehandel durch die Lockdowns boomen und Kunden binden konnte, lag der November-Umsatz bei 108,2 Punkten, der November 2025 erreichte 116,8 Punkte.


Auch der Blick auf die langfristige Entwicklung bietet durchaus Anlaß für Optimismus: laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) lag der Einzelhandelsumsatz 2025 bei 677 Milliarden Euro – das ist der 16. Rekordwert in Folge. 2009 lag der Umsatz noch bei 418,9 Milliarden Euro (also über 60 Prozent geringer als heute). Damit lag er trotz der Finanzkrise 2008 im Rücken nur wenig unter dem Durchschnitt des vom Umsatz her relativ stabilen Jahrzehnts 2000-2009, in dem durchschnittlich gut 426 Milliarden Euro jährlich umgesetzt wurden.


Wie der HDE weiter mitteilt, ist auch der Onlinehandel nach einer Delle in den Jahren 2022 und ‘23 wieder auf Erfolgskurs und fährt neue Rekordwerte ein: 2025 liegt der Umsatz auf dem bisherigen Höchstwert von 92,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2009 lag der Umsatz noch bei 15,6 Milliarden Euro, und selbst im bisherigen Rekordjahr 2021 wurden „nur“ 87 Milliarden erreicht, also satte 5 Milliarden Euro weniger. Seit 2009 hat der Onlinehandel ein Wachstum von sagenhaften 492 Prozent hingelegt.


Damit der Wachstumskurs des Einzelhandels weitergehen kann, mahnt der HDE allerdings Reformen an: so müsse insbesondere der von der Bundesregierung versprochene Bürokratieabbau kommen, damit die Händler*innen „sich wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können“, so HDE-Präsident Alexander von Preen. Noch sieht er hier deutliche Defizite: „Es fehlen überzeugende Antworten auf die gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen“, so von Preen weiter. Auch die allgemeine Verbraucherstimmung sei „besorgniserregend“ und auch hier brauche es „klare Signale“ von der Bundesregierung. 

 

Quellen:


Statistisches Bundesamt: PM Nr. 004 vom 07.01.2026; online: www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_004_45212.html

Handelsverband Deutschland: PM vom 07.01.2026: „Einzelhandel fordert notwendige Reformen in 2026“; online: einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/15054-einzelhandel-fordert-notwendige-reformen-in-2026

Handelsverband Deutschland: „Umsatzentwicklung im Einzelhandel (2000-2025)“; online: einzelhandel.de/presse/zahlenfaktengrafiken/1022-konjunktur/11935-umsatzwachstum-setzt-sich-fort

Handelsverband Deutschland: „E-Commerce-Umsätze“; online: einzelhandel.de/presse/zahlenfaktengrafiken/861-online-handel/1889-e-commerce-umsaetze

 

 

09.01.2026