Beim Studium ist ein Auslandsaufenthalt allgemein bekannt – aber auch während der Ausbildung können Auslandserfahrungen gemacht werden. Wie das BIBB nun mitteilt, wird diese Möglichkeit immer häufiger genutzt.
(ps) Die große, weite Welt ist für viele Jugendliche immer eine Verlockung – man ist noch frei und ungebunden, hat (meist) weder Kinder noch Haustiere, und auch sonst nur selten Verpflichtungen, die einen binden. Die beste Zeit also, um Auslandserfahrungen zu sammeln. Fast jede*r kennt FSJ & Co., die nach der Schule auch im Ausland absolviert werden können, und das Auslandssemester während des Studiums ist ebenfalls allgemein bekannt.
Deutlich unbekannter ist da schon der Auslandsaufenthalt während der Ausbildung – und das nicht nur bei großen Betrieben, die Filialen im Ausland haben. Bei praktisch jeder Ausbildung gibt es diese Möglichkeit, und mit Unterstützung von Initiativen wie dem EU-Programm Erasmus+ ist das auch gar nicht so kompliziert.
Wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mitteilt, wurden im vergangenen Jahr neue Rekordzahlen erreicht: 2025 gingen etwa 60.000 junge Menschen mit Erasmus+ ins Ausland, davon 48.000 Auszubildende. Tatsächlich hätten „noch nie so viele junge Menschen Teile ihrer Ausbildung im europäischen Ausland“ absolviert, wie das BIBB betont – eine Steigerung von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zu den beliebtesten Zielen gehörten 2025 Spanien, Irland und Italien.
„Auslandsaufenthalte sind inzwischen fest in der beruflichen Ausbildung etabliert. Immer mehr berufliche Schulen und Ausbildungsbetriebe erkennen den Mehrwert dieser Angebote“, sagt BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. Schließlich steigere ein solches Angebot die Attraktivität der Ausbildung und trage zur Fachkräftesicherung bei.
Europa und die weite Welt
Neben Erasmus+, das die Auszubildenden für EU-weite Auslandsaufenthalte nutzen können, gibt es auch das Programm AusbildungWeltweit, das vom Bundesfamilienministerium (BMBFSFJ) beauftragt und vom BIBB umgesetzt wird. Hier können, wie der Name schon sagt, weltweite Ausbildungsaufenthalte realisiert werden. Das 2017 ins Leben gerufene Programm hat bereits 4.200 Auslandsaufenthalte ermöglicht und führt laut Jahresbericht am häufigsten in die „USA, China, das Vereinigte Königreich, Kanada, die Schweiz, Südafrika, Australien, Mexiko, Tansania und Indien“.
Dabei seien etwa 80 Prozent der Azubis in einer dualen Ausbildung. Auch AusbildungWeltweit kann natürlich von praktisch allen Berufsgruppen genutzt werden – am stärksten vertreten seien gewerblich-technische -, kaufmännische -, Handwerks- und IT-Berufe, sowie Gesundheits- und
Erziehungsberufe.
Zuerst mit dem Ausbildungsbetrieb sprechen
Inzwischen bieten immer mehr Ausbildungsbetriebe Auslandsaufenthalte für ihre Azubis von sich aus an und helfen in der Regel auch mit der Umsetzung. Anders als bei einem Studium muss aber der Arbeitgeber natürlich einverstanden damit sein, dass du als Azubi dich eventuell für mehrere Monate ins Ausland verabschieden möchtest. Wenn du also schon vor Ausbildungsbeginn weißt, dass du gerne ins Ausland möchtest und der Ausbildungsbetrieb diese Chance nicht von sich aus anbietet, empfiehlt es sich sehr, schon im Bewerbungsgespräch abzuklären, ob das eine Option ist und wie der Betrieb dazu steht.
Wenn dir erst während der Ausbildung klar wird, dass du gerne ins Ausland gehen möchtest, solltest du so schnell wie möglich das Gespräch mit deinem Ausbilder suchen. Vor der Ausbildung klingen drei oder manchmal sogar dreieinhalb Jahre Ausbildungsdauer lang, aber wenns erstmal losgeht, ist die Zeit meist schneller rum, als man gucken kann. Und so ein Auslandsaufenthalt will natürlich gut geplant sein, es gibt Antragsfristen usw.
Sollte sich zeigen, dass dir die Idee für einen Auslandsaufenthalt leider zu spät gekommen und nicht mehr innerhalb der Ausbildung umsetzbar ist, musst du aber nicht verzagen: Erasmus+ und verschiedene andere Programme bieten auch unmittelbar nach Ausbildungsabschluß noch Förderungen fürs Ausland an, bei Erasmus+ bis zu einem Jahr. Insofern kannst du auch unabhängig von deinem Ausbildungsbetrieb für die Zeit nach der Ausbildung planen.
Weitere Informationen:
Erasmus+ für Azubis: www.erasmusplus.de/erasmus/berufsbildung
AusbildungWeltweit: www.ausbildung-weltweit.de
Allgemeine Informationen (BIBB): www.meinauslandspraktikum.de
Quellen:
BIBB: „Europa ist gefragter denn je“, PM vom 21.05.2026; online: idw-online.de/de/news871215
Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung: Jahresbericht 2024/2025; online: www.na-bibb.de/fileadmin/user_upload/na-bibb.de/Publikationen/Jahresbericht/NA-Jahresbericht_2024-2025.pdf
21.05.2026