Ob bei Rettungseinsätzen, Waldbränden oder militärischen Missionen – Hubschrauber sind dort im Einsatz, wo andere Luftfahrzeuge an ihre Grenzen stoßen. Ihre einzigartige Vielseitigkeit macht sie unverzichtbar und prägt zugleich ein anspruchsvolles, außergewöhnliches Berufsbild.
(ps) Der Hubschrauber ist eine der faszinierendsten Erfindungen der Luftfahrt. Schon Leonardo Da Vinci entwarf in der Renaissance ein Fluggerät, das senkrecht starten und landen sollte – was damals leider noch nicht funktioniert hätte, doch die Idee war geboren. Die ersten richtig funktionsfähigen Hubschrauber entstanden aber erst im 20. Jahrhundert. Heute sind Hubschrauber aus vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken: Sie ermöglichen Einsätze, die für Flugzeuge unmöglich wären und bieten das vielseitigste Einsatzprofil aller Luftfahrzeuge.
In der zivilen Luftfahrt sind sie insbesondere bei der Luftrettung oder der Waldbrandbekämpfung unverzichtbar. Im Alltag der Menschen selten sichtbar, aber in Wirklichkeit nicht so selten sind auch andere Einsätze wie Lastentransporte per Hubschrauber, zum Beispiel für Mobilfunkmasten in unwegsamem Gelände, oder beim sogenannten „Helilogging“, dem Baumschnitt per Hubschrauber.
Auch bei der Bundeswehr übernehmen Hubschrauber zahlreiche Aufgaben: Sie transportieren Truppen und Material, evakuieren Menschen aus Einsatzgebieten oder unterstützen Spezialkräfte bei schwierigen Einsätzen. Nicht zuletzt im Rahmen des Heimatschutzes kommen sie ebenfalls zum Einsatz, immer häufiger vor allem bei Waldbränden. Dabei fliegen sie oft unter Bedingungen, die höchste Präzision und technisches Können erfordern.
So erklärt es auch ein angehender Hubschrauberpilot im Interview mit dem IfT: „Abseits von Start- und Landebahnen eröffnen sich fliegerische Einsatzfelder, in denen Präzision, Reaktionsfähigkeit und moderne Technik eine zentrale Rolle spielen.“ Genau das ist es auch, was ihn so begeistert: „Am Hubschrauber hat mich besonders die Vielseitigkeit der Einsatzmöglichkeiten gereizt. Durch die Fähigkeit, in der Luft zu schweben, können sie sehr präzise manövrieren und auch dort starten und landen, wo das mit dem Flugzeug nicht möglich ist.“
Hubschrauberpilot*in – wie werde ich das?
Wer Hubschrauberpilot*in werden möchte, kann dies sowohl zivil als auch militärisch tun.
Im zivilen Bereich erfolgt der Einstieg über eine Ausbildung bei Fluggesellschaften, Luftrettungsdiensten, der Polizei oder speziellen Hubschrauberfirmen. Typischerweise beginnt man mit einer Flugschule, sammelt erste Flugstunden und erlangt die erforderlichen Lizenzen, insbesondere die CPL(H) – Commercial Pilot License für Hubschrauber. Wer bei der Luftrettung arbeiten möchte, benötigt eventuell zusätzlich Erfahrung in medizinischen Abläufen und Rettungseinsätzen. Beispielsweise bei der DRF wird eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Bachelor erwartet.
Insgesamt sind die Zugangsvoraussetzungen wie auch die Ausbildungsdauer je nach Bildungsanbieter unterschiedlich, meist dauert sie 12 bis 24 Monate. Da es sich nicht um eine klassische duale Ausbildung handelt, gibt es keine Ausbildungsvergütung. Sofern die Hubschrauberausbildung also nicht im Rahmen einer Ausbildung von Polizei oder Bundeswehr erfolgt, müssen Interessierte die Kosten selbst tragen.
Bei der Polizei ist der Einstieg in die Pilotenkarriere erst nach einer abgeschlossenen Polizeiausbildung, am besten im gehobenen Dienst, möglich. Zudem werden mindestens drei Jahre Berufserfahrung nach der Ausbildung bzw. dem Studium erwartet. Im Anschluss daran können sich Interessierte intern für den Flugdienst bewerben und durchlaufen hierfür ein Einstellungsverfahren. Außer in Bremen, Schleswig-Holstein und dem Saarland haben alle Landespolizeien Hubschrauberstaffeln, sowie auch die Bundespolizei.
Bei der Bundeswehr ist der Weg grundsätzlich ähnlich strukturiert, denn auch hier kann man nicht nach der Grundausbildung direkt Hubschrauberpilot*in werden. Interessierte müssen sich für mindestens 16 Jahre verpflichten, durchlaufen dann wie üblich die allgemeine Grundausbildung und müssen die Offizierslaufbahn einschlagen, in aller Regel verbunden mit einem Studium, um in die fliegerische Ausbildung einzusteigen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, mit einem mittleren Schulabschluss (Realschule) Pilot*in zu werden. Dabei gehen alle Bewerber*innen durch ein Auswahlverfahren für die Offizierseignung und eine fliegerische Eignungsprüfung.
Sind diese Hürden genommen, erwartet die angehenden Pilot*innen eine Ausbildung, die fundiertes Technikwissen mit praxisnahen Einsätzen kombiniert. Unser angehender Hubschrauberpilot zeigt sich im Interview überzeugt: „Die Bundeswehr bietet eine einzigartige Kombination aus verantwortungsvoller Tätigkeit, technischem Studium und fliegerischer Ausbildung.“ Dabei geht es richtig zur Sache: „Die täglichen Trainingsflüge und der parallel stattfindende Unterricht sorgen für eine sehr schnelle und steile Lernkurve.“
Nach Abschluss der Ausbildung können Hubschrauberpiloten bei der Bundeswehr auf verschiedenen Typen eingesetzt werden, etwa auf der neuen CH-47 Chinook, einem brandneuen Transporthubschrauber. Wer sich für diesen Beruf interessiert, sollte sich bewusst sein, dass die Anforderungen hoch sind, aber die Erfahrung und die Vielfalt des Berufs einmalig: „Die gesamte Ausbildung ist eine tolle Erfahrung und besonders mein erster Flug im Rahmen der Ausbildung wird mir für immer in Erinnerung bleiben.“
Weitere Informationen
Allgemeine Informationen zur kommerziellen Hubschrauberpilotenausbildung finden sich im BerufeNet der Bundesagentur für Arbeit.
Arbeitgeber, bei denen die Kosten für die Pilotenlizenz übernommen werden, sind die Bundespolizei, die meisten Landespolizeien und die Bundeswehr:
Hubschrauberpilot*in bei der Bundespolizei
Hubschrauberpilot*in bei der Bundeswehr
19.01.2026