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Lernen für morgen: Ausbildung und Studium im Wandel

Über den Boom der nachhaltigen Ausbildungen und Studiengänge

Draufsicht auf Tisch mit Pflanze. Schreibutensilien und Reagenzglas.
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Studium

Nachhaltigkeit – ein großes Wort für etwas, das bereits mit ganz kleinen Taten anfängt. Ob beim Stromverbrauch, der Wahl des Fortbewegungsmittels oder der Entscheidung gegen einen Plastikbecher – in der Masse machen diese Dinge den großen Unterschied. Längst ist die Nachhaltigkeit auch in Ausbildung und Studium angekommen.

 

(lw) Besonders junge Menschen achten zunehmend darauf, Ressourcen zu schonen und sich umweltbewusst zu verhalten. Gleichzeitig wächst der Druck auf Politik und Unternehmen, klimafreundlicher zu handeln. Dadurch verändert sich auch die Arbeitswelt. So werden beispielsweise traditionelle Ausbildungsberufe durch Modernisierung nachhaltiger. "Umweltschutz und Nachhaltigkeit" ist seit August 2021 einer von vier verpflichtenden Mindeststandards für alle neu erlassenen Ausbildungsordnungen. Aber auch neue Berufe entstehen durch den stetigen Wandel. Diese neuen „grünen Berufe“ erleben schon seit einiger Zeit einen regelrechten Boom.


Lernen für die Zukunft


Der Unterschied zu „normalen“ Ausbildungen und Studiengängen liegt darin, dass nachhaltige Bildungsangebote Fachkräfte ausbilden, die Nachhaltigkeit in ihr berufliches Denken und Handeln einbeziehen. Dabei geht es beim Thema Nachhaltigkeit jedoch nicht nur um den Schutz der Umwelt, sondern auch um soziale Verantwortung und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit, auch wenn der Fokus meist am Umweltaspekt haftet. Im Bereich der Ausbildungen sind dabei Lehrberufe aus Fachbereichen wie beispielsweise E-Mobilität, Forst- und Landwirtschaft oder erneuerbaren Energien gemeint. Hier geht es um die praktische Auseinandersetzung mit der Materie. Nachhaltige Studiengänge beschäftigen sich hingegen damit, Konzepte und Lösungen zu entwickeln, die den Umweltschutz fördern sowie das Wohl der Menschen und soziale Gerechtigkeit sichern sollen. Die Gründe, warum sich viele junge Menschen für einen Bildungsweg im Bereich der Nachhaltigkeit entscheiden, sind sowohl offensichtlich als auch individuell. Während das wachsende Bewusstsein für Klimawandel, Umweltzerstörung und soziale Ungleichheiten für viele den Ausgangspunkt bildet, spielen gleichzeitig persönliche Interessen, Werte und Erfahrungen eine entscheidende Rolle.


„Alles, was wir lernen, soll unter der Voraussetzung der Nachhaltigkeit passieren.“

 

Die Studentin Alexandra Eggert (25) hat sich nach ihrem Bachelor im Fach Sozialwissenschaften für den Masterstudiengang „Umweltethik“ an der Universität Augsburg entschieden. Für Alexandra war dies eine Interessensentscheidung, denn im Bachelorstudium absolvierte sie bereits einige Kurse, wie beispielsweise Umweltsoziologie, deren Inhalte und Fokus sie ansprachen. Zudem beeinflusste ihre persönliche Bindung an das Thema die Entscheidung für diesen Studiengang: „Ich verbringe gerne Zeit in der Natur und bin mit meinem Hund Balu draußen unterwegs.“ Dabei konnte Alexandra nicht nur durch die eindringliche Berichterstattung ein Bewusstsein für die Veränderung der Umwelt erlangen, sondern diese auch mit eigenen Augen beobachten. So war ihr schnell klar, dass der Schutz der Umwelt ein Anliegen ist, das sie auch beruflich verfolgen möchte. Daher entschied sie sich, ihre fachlichen Kenntnisse mit dem Master in Umweltethik zu vertiefen.

Inhaltlich spielt Nachhaltigkeit in ihrem Studiengang eine übergeordnete Rolle. Es gibt in diesem interdisziplinären Masterfach keinen Kurs oder kein Modul zur Nachhaltigkeit. Vielmehr bildet sie den „Kreis um alle Inhalte“. „Alles, was wir lernen, denken und machen, soll unter der Voraussetzung der Nachhaltigkeit passieren“, so Alexandra. Je nach Ausrichtung der einzelnen Kurse liegen die Schwerpunkte dabei auf der wirtschaftlichen, ökologischen oder sozialen Nachhaltigkeit.
 


Vielseitige Perspektiven

 

Alexandra ist sich sicher, dass solchen Studiengängen in Zukunft noch mehr Bedeutung beigemessen wird und sie die Berufe der Zukunft prägen. Denn: „Nachhaltigkeit und Umweltschutz werden zunehmend wichtiger, auch wenn sie in Politik und Wirtschaft noch immer nur Randthemen sind, für die nur das gemacht wird, was gemacht werden muss“, so die Masterstudentin. Viele Tätigkeiten entwickeln sich erst durch die noch wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit und Umweltfragen. So kam das Thema Klimaschutz vor rund 30 Jahren erstmals auf und ist heute ein zentraler gesellschaftlicher Faktor.


Die Berufsmöglichkeiten, die Alexandra nach ihrem Master hat, sind sehr vielfältig:
 Ob in der Beratung von Unternehmen zu nachhaltigen Themen, bei NGOs wie dem WWF oder Greenpeace, in der Politikberatung, im Journalismus oder in den Bereichen Bildung und Forschung – alles bietet interessante Perspektiven.
 Dabei merkt Alexandra an: Der Studiengang bereitet nicht direkt auf einen konkreten Beruf vor. Häufig fehlt auch die direkte Brücke zwischen theoretischem Wissen und tatsächlicher Umsetzung in der Praxis. Stattdessen vermittelt das Studium eher Wissen und Kompetenzen, die in vielen unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden können.


Mehr als ein Trend

 

Insgesamt ist der der Einfluss der Nachhaltigkeit in Ausbildung und Studium viel mehr als ein Trend. Es ist die Zukunft. Der Boom dieser Bildungsrichtungen zeigt, dass sich Lebens- und Arbeitsweisen zunehmend verändern und Nachhaltigkeit längst kein Nischenthema mehr ist, sondern sich zu einem zentralen Bestandteil von Bildung und Arbeitswelt entwickelt.

 

Autorin: Lara Wachter studiert Journalismus, arbeitet als Werkstudentin in der Projektorganisation des Instituts für Talententwicklung und schreibt für das vocatium magazin.

 


Quellen:

 

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Vier sind die Zukunft. Digitalisierung. Nachhaltigkeit. Recht. Sicherheit. Die modernisierten Standardberufsbildpositionen anerkannter Ausbildungsberufe. 2021. 

Bundesinstitut für Berufsbildung (bibb): „Mit dualen Ausbildungsberufen nachhaltig durchstarten“, o.N., 12.05.2026; online: https://www.bibb.de/de/123631.php 

nachhaltigejobs.de: „10 spannende Ausbildungsberufe im Bereich Nachhaltigkeit“, Umwelt- und Klimaschutz“, Robert Franzen, 26.01.2021; online: https://www.nachhaltigejobs.de/ausbildungsberufe-nachhaltigkeit-umwelt-und-klimaschutz/m 

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: „Nachhaltigkeit (nachhaltige Entwicklung)“, online: https://www.bmz.de/de/service/lexikon/nachhaltigkeit-nachhaltige-entwicklung-14700 

Interview mit Alexandra Eggert (geführt von Lara Wachter)

 

 

20.05.2026