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Starke Marken schaffen Emotionen

Luis Bolbrügge, Studienberater Brand University Hamburg, im Interview

Luis Bolbrügge, Studienberater der Brand University Hamburg
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Interviews

Wer Marken spannend findet und gern selbst mal Logos und Werbekampagnen erstellen möchte, kann das im Studium mit ganz viel Praxisbezug lernen. Studienberater Luis Bolbrügge von der Hamburger Brand University erzählt, worauf es dabei ankommt und was ihn selbst an Marken fasziniert.

 

(kk) IfT: Sie sind Studienberater an der Brand University, die mit ihren Studiengängen „Mehrwert durch Marken“ schaffen möchte. Was kann eine starke Marke bewirken?

 

Luis Bolbrügge: Wenn wir über das Thema Marke sprechen, ist für uns vor allem der Brand-Thinking-Ansatz entscheidend. Brand Thinking bedeutet, eine Marke ganzheitlich zu betrachten und sie ins Zentrum unternehmerischen Handelns zu stellen. Eine Marke ist für mich deshalb viel mehr als ein Logo, ein Produkt oder eine Werbekampagne. Es geht um Identifikation, Image und vor allem um die Frage: Was verbinden Menschen mit einer Marke? Eine starke Marke muss sich im besten Fall fast wie ein Zuhause anfühlen und nicht wie Werbung. Man erkennt sie wieder, weiß, wofür sie steht, und entwickelt im besten Fall eine emotionale Verbindung zu ihr.

Genau das finde ich an Marken so spannend. Ein Unternehmen kann sehr bewusst daran arbeiten, welche Identität eine Marke haben soll. Was am Ende tatsächlich bei den Menschen ankommt und in ihren Köpfen bleibt, lässt sich aber nicht einfach bestimmen. Das entsteht über viele verschiedene Berührungspunkte und teilweise über Jahre hinweg. Wenn es einer Marke gelingt, dabei eine klare Identität zu behalten und bei Menschen ein bestimmtes Gefühl auszulösen, hat sie unglaublich viel erreicht.


IfT: Welche Talente sollte man für die Studiengänge Brand und Marketing Management sowie AI & Brand Communication Design mitbringen? Und was sind das für Menschen, die bei Ihnen studieren?

 

Luis Bolbrügge: Markenmanagement braucht viel Fingerspitzengefühl, weil hier ganz unterschiedliche Bereiche und Denkweisen zusammenkommen. Bei uns an der Brand University sieht man das schon daran, welche unterschiedlichen Menschen miteinander studieren. Auf der einen Seite haben wir die Designer, die häufig sehr visuell und kreativ denken. Auf der anderen Seite stehen die Brand- und Marketing-Manager, die oftmals strategischer und wirtschaftlicher an Themen herangehen. Das sind teilweise völlig unterschiedliche Typen. Genau so sieht es später aber auch in Unternehmen und Agenturen aus. Dort müssen kreative und strategische Köpfe gemeinsam an einer Marke arbeiten.

Deshalb finden wir es wichtig, dass diese Welten bereits im Studium aufeinandertreffen. Man muss lernen, die Perspektive des anderen zu verstehen, miteinander zu diskutieren und gemeinsam aus unterschiedlichen Ideen etwas zu entwickeln. Studienanfänger müssen dafür noch keine fertigen Marketingprofis oder Designer sein. Viel entscheidender ist, dass sie neugierig sind, sich für Marken interessieren und Lust darauf haben, eigene Ideen einzubringen und auch andere Perspektiven kennenzulernen.


IfT: Was fasziniert uns so an Marken? Was lösen sie in uns aus?


Luis Bolbrügge: Marken sind überall und können zu einem Teil unserer eigenen Identität werden. Das merkt man eigentlich schon an unserer Sprache. Wir sagen ganz selbstverständlich: „Das ist meine Marke“ oder „Mit dieser Marke kann ich mich identifizieren.“ Wir verbinden mit Marken bestimmte Werte, Erinnerungen, Erfahrungen oder auch ein Lebensgefühl. Zwei Produkte können objektiv ziemlich ähnlich sein und trotzdem etwas vollkommen Unterschiedliches in uns auslösen. Genau diese emotionale Ebene finde ich so interessant. Eine starke Marke schafft es, dass Menschen eben nicht nur ein Produkt sehen, sondern etwas damit verbinden. Im besten Fall entsteht daraus eine echte Identifikation mit der Marke.


IfT: Praxis wird an der Brand University großgeschrieben. Inwieweit beziehen Sie echte Marken und Unternehmen in die Lehrinhalte ein?

 

Luis Bolbrügge: Praxis ist tatsächlich einer der wichtigsten Bestandteile unseres Studienkonzepts. Nach den ersten beiden Semestern beginnt ab dem dritten Semester die intensive Zusammenarbeit mit unseren Praxispartnern. Dabei arbeiten die Studierenden nicht an irgendwelchen ausgedachten Fällen aus einem Lehrbuch. Experten aus den Unternehmen kommen mit realen Cases in die Kohorten und unsere Studierenden arbeiten dann gemeinsam an konkreten Fragestellungen und entwickeln eigene Lösungen.

Dabei arbeiten wir mit renommierten nationalen und internationalen Brands zusammen. Dazu gehören aktuell beziehungsweise aus bisherigen Projekten beispielsweise Mercedes-AMG, Maserati, Dior, H&M, Pringles, ABOUT YOU, LinkedIn oder Zalando. Die Studierenden bekommen dadurch schon während ihres Studiums einen sehr direkten Einblick darin, wie Markenarbeit tatsächlich funktioniert. Sie arbeiten an echten Aufgabenstellungen, präsentieren ihre Ergebnisse und bekommen Feedback aus der Praxis. Für die Zusammenarbeit erhalten sie außerdem Zertifikate der jeweiligen Partner.

Das ist für uns ein großer Unterschied. Nach drei Jahren beziehungsweise sechs Semestern hat man nicht einfach nur seinen Bachelorabschluss in der Hand. Im besten Fall hat man zusätzlich bereits an verschiedenen realen Projekten gearbeitet, Kontakte zu Unternehmen geknüpft und mehrere Zertifikate gesammelt. Der eigene Lebenslauf beginnt dadurch nicht erst nach dem Studium, sondern füllt sich schon währenddessen. Für den späteren Berufseinstieg ist das natürlich ein sehr gutes Sprungbrett.


IfT: Wie sind die Aussichten am Markt? In welchen Bereichen können Ihre Absolventinnen und Absolventen Karriere machen?

 

Luis Bolbrügge: Durch die enge Verbindung zwischen Studium und Praxis sehen wir sehr gute Möglichkeiten für den späteren Berufseinstieg. Viele unserer Absolventinnen und Absolventen landen später auch bei Betrieben, mit denen sie während ihres Studiums bereits Berührungspunkte hatten. Auf unserer Karriere-Wall auf dem Campus kann man sehen, wo ehemalige Studierende heute arbeiten und welche Wege sie nach ihrem Abschluss gegangen sind. Das ist gerade für Studieninteressierte immer sehr spannend, weil es zeigt, was aus dem Studium später ganz konkret werden kann.

Je nach Studiengang führen die Wege beispielsweise ins Brand Management, Marketing oder Design, zu Agenturen oder in andere kreative und strategische Bereiche. Für uns ist vor allem wichtig, dass unsere Studierenden nach sechs Semestern nicht zum ersten Mal vor der Frage stehen, wie die Unternehmenswelt eigentlich funktioniert. Durch die Praxisprojekte kennen sie diese Welt bereits und haben im besten Fall schon ein eigenes Netzwerk aufgebaut.


IfT: Verschwinden manche Jobs durch KI? Wie reagieren Sie auf die aktuellen Veränderungen? Welche Kompetenzen sind verstärkt gefragt?

 

Luis Bolbrügge: KI verändert Marketing, Kommunikation und Design gerade extrem schnell. Deshalb behandeln wir KI nicht als irgendein Zukunftsthema, das vielleicht irgendwann einmal relevant wird. Sie gehört bereits heute zur Realität und damit für uns auch ins Studium. Wir aktualisieren unsere Module und Inhalte laufend und arbeiten mit unterschiedlichen KI-Tools. Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Programme bedienen zu können. Unsere Studierenden sollen verstehen, wie sie KI sinnvoll in kreative und strategische Prozesse integrieren, und gleichzeitig beurteilen können, ob das Ergebnis wirklich gut ist. Ein großer Vorteil ist dabei, dass unsere Professorinnen und Professoren selbst aus der Praxis kommen. Sie arbeiten mit Unternehmen, großen Marken und Agenturen und erleben unmittelbar, wie sich Arbeitsweisen und Anforderungen gerade verändern. Dieses Wissen fließt wiederum direkt in die Lehre ein. Dadurch können wir bei einem Thema, das sich so schnell entwickelt wie KI, immer wieder neue Entwicklungen aufnehmen.

Ich glaube auch nicht, dass man beim Thema KI ausschließlich die Frage stellen sollte, welche Jobs dadurch verschwinden könnten. Viel interessanter ist, wie sich bestehende Berufe verändern. Wer später im Marketing, in der Kommunikation oder im Design arbeitet, wird KI ganz selbstverständlich als Werkzeug einsetzen. Umso wichtiger wird es aber, die Ergebnisse einschätzen zu können, eigene Ideen zu haben und zu verstehen, was Menschen tatsächlich bewegt. Ein KI-Tool bedienen zu können, wird wahrscheinlich irgendwann selbstverständlich sein. Entscheidend ist dann, was man daraus macht.


IfT: Was möchten Sie jungen Menschen, die kurz vor der Berufswahl stehen, darüber hinaus mitgeben?


Luis Bolbrügge: Was wir gerade auch bei unseren Gesprächen auf den vocatium-Messen immer wieder merken: Viele Schülerinnen und Schüler wollen heute wissen, was sie mit dem Gelernten später tatsächlich anfangen können. Ein Studium soll natürlich Wissen vermitteln, aber man möchte auch ausprobieren, Erfahrungen sammeln und herausfinden, welcher Bereich wirklich zu einem passt. Genau deshalb glauben wir so stark an unser praxisorientiertes Konzept. Wer bei uns Design studiert, soll nicht drei Jahre nur darüber sprechen, wie Design funktioniert, sondern selbst gestalten und an realen Aufgaben arbeiten. Und wer Brand und Marketing Management studiert, soll Marken nicht nur aus Büchern kennenlernen, sondern schon während des Studiums mit echten Unternehmen und echten Herausforderungen zu tun haben.

Man muss mit 18 oder 19 noch nicht genau wissen, welchen Job man später einmal machen möchte. Dafür ist ein Studium schließlich auch da. Man kann ausprobieren, herausfinden, wo die eigenen Stärken liegen, Kontakte knüpfen und Schritt für Schritt ein eigenes Profil entwickeln. Unser Anspruch ist deshalb, dass unsere Studierenden nach sechs Semestern nicht nur mit einem Bachelorabschluss dastehen, sondern schon eine ziemlich gute Vorstellung davon haben, wo sie beruflich hinwollen und erste Erfahrungen vorweisen können. 

 

IfT: Vielen Dank für das Interview!

 

23.09.2026

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