#
vocatium Magazin / Unterricht und Schule / Grundschulinformatik: ein Flickenteppich

Grundschulinformatik: ein Flickenteppich

Die Gesellschaft für Informatik hat den „Informatik-Monitor Junior 2026“ veröffentlicht

Kinder am Computer (Symbolbild) © Benis Arapovic via Vecteezy.com Kinder am Computer (Symbolbild) © Benis Arapovic via Vecteezy.com
Beitrag teilen
Unterricht und Schule

Gute digitale Bildung beginnt in der Grundschule – doch eine neue Studie zeigt, dass informatische Kompetenzen in fast der Hälfte der Bundesländer noch immer keinen Platz im Lehrplan haben.

 

(ps) Die Grundschule ist der wichtigste Meilenstein im Leben eines jungen Menschen. In den ersten Schuljahren wird nicht nur das Fundament für Lesen, Schreiben und Rechnen gelegt, sondern auch die grundlegende Haltung zur Welt und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten geformt. Die Qualität der Wissensvermittlung in dieser frühen Phase entscheidet maßgeblich über den weiteren Verlauf der gesamten Bildungskarriere. Wissenschaftliche Studien belegen: Wer hier den Anschluss verpasst, trägt diesen Nachteil oft bis in die Berufsausbildung oder das Studium hinein. In einer Welt, die unaufhaltsam mit Algorithmen, Datenströmen und smarten Technologien verschmilzt, gehört ein fundiertes technologisches Grundverständnis fraglos zu diesem Bildungsfundament.


Digitale Lebensrealität und Schule


Die bildungspolitische Absichtserklärung hierzu ist keineswegs neu. Wie die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) anlässlich ihres aktuell veröffentlichten „Informatik-Monitor Junior“ betont, habe die Kultusministerkonferenz (KMK) bereits 2016 in einem grundlegenden Strategiepapier empfohlen, die digitale bzw. informatische Bildung fest im Grundschulbereich zu verankern. Doch ein Blick in die schulpraktische Realität zeigt zehn Jahre später ein ernüchterndes Bild und offenbart eine tiefe Spaltung der deutschen Bildungslandschaft.


Zentrales Ergebnis des Informatik-Monitor Junior 2026


Das Forschungsteam analysierte 208 offizielle Dokumente (Fachlehrpläne und Medienrahmen) aller 16 Bundesländer. Das Resultat: Nur 38 dieser Dokumente, verteilt auf lediglich neun Bundesländer, enthalten dezidiert informatische Kompetenzen. In sieben Bundesländern ist das Thema im Lehrplan schlicht nicht existent.
 

Die Ergebnisse der Studie zeichnen das Bild eines föderalen Ungleichgewichts. Während Kinder in einigen Teilen Deutschlands systematisch an informatische Grundkonzepte herangeführt werden, gehen sie in fast der Hälfte aller Bundesländer komplett leer aus. Den Spitzenplatz im Bundesvergleich belegt Bremen. Die dortigen Rahmenvorgaben weisen ebenso wie die Lehrpläne in  Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordrhein-Westfalen eine vergleichsweise breite und solide Basis auf.
 

Auf der anderen Seite des Spektrums herrscht eher digitaler Stillstand im Lehrplan. In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist eine verankerte informatische Bildung auf Grundschulebene nicht vorhanden. „Obwohl Kinder bereits im Vorschulalter mit informatischen Phänomenen in Berührung kommen, fehlt informatische Bildung in deutschen Grundschullehrplänen noch immer weitgehend“, mahnt Alev Dreger, Programm-Managerin Bildung bei der Klaus Tschira Stiftung, welche den Informatik-Monitor fördert. Was vorhanden sei, bleibe oft zu vage und es bestehe „dringender Handlungsbedarf in allen Bundesländern.“


Handlungsempfehlungen der Forschenden


Die Studienautor*innen haben aus der Vielzahl der Probleme drei Empfehlungen herausgearbeitet. Erstens reiche es nicht, Informatik einfach „auszuweiten“, sondern es müssten in den Lehrplänen relevante „Kompetenzen dezidiert informatisch“ ausdifferenziert werden. Zweitens brauche es klare „Ankerfächer“ wie den Sachunterricht oder Technik/Werken, und wenn Informatik stattfinde, müsse dies auch klar und verständlich für die Grundschüler*innen sichtbar gemacht werden. Und drittens müsse in die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften investiert werden, um diese Inhalte auch fach- und sachgerecht vermitteln zu können.

 


Weitere Informationen:


Die ganze Studie findet sich hier: informatik-monitor-junior.gi.de

Die zugehörige PM der Gesellschaft für Informatik e.V. kann man hier nachlesen.

 

 


05.06.2026