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Studieren zwischen „Bergen, Schnee und Nordlichtern“

Sina Janich im Interview über ihr Auslandssemester in Norwegen

©Sina Janich Sinas Blick aus ihrem Zimmer am Campus /© Sina Janich
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Interviews

Als Student*in ist neben dem Lernen von Theorien, Anwenden von Formeln und Erarbeiten von Projekten eines besonders wichtig: das Sammeln von vielfältigen Erfahrungen. Und genau hierfür nutzen viele ein Auslandssemester.

 

(lw) Wie so ein halbes Jahr Studium in der Ferne aussehen kann, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und warum sich das jeder trauen sollte, erzählt uns Sina Janich (20). Sina studiert Landschaftsökologie und Naturschutz an der Universität Greifswald. Ihr fünftes Fachsemester verbrachte sie im beschaulichen Evenstad, einer Gemeinde im Südosten Norwegens. 


 

Erasmus bot die ideale Gelegenheit, diesen Traum mit wertvollen Erfahrungen zu verbinden“


 

IfT: Was hat dich dazu motiviert, ein Auslandssemester zu absolvieren? 
 

Sina Janich: Schon lange hatte ich den Wunsch, für eine gewisse Zeit in einem anderen Land zu leben und dort sowohl die Natur als auch die Menschen kennenzulernen. Ein Auslandssemester im Rahmen des Erasmus-Programms bot mir die ideale Gelegenheit, diesen Traum mit einer wertvollen akademischen Erfahrung zu verbinden. Besonders interessiert hat mich, wie in anderen Ländern über Naturschutz gedacht wird und auf welche Weise dort Konflikte in diesem Bereich gelöst werden. Schließlich bin ich überzeugt, dass wir in diesem Zusammenhang sehr viel voneinander lernen können. So habe ich das fünfte Semester meines Studiums im Ausland verbracht. 


 

IfT: Welche Voraussetzungen mussten erfüllt sein, um dein Auslandssemester antreten zu können? 
 

Sina: Meine Universität hat uns Studierende bei der Vorbereitung auf das Auslandssemester sehr gut unterstützt. Es wurden mehrere Informationsveranstaltungen, individuelle Beratungstermine sowie praktische Hilfestellungen angeboten, etwa beim Verfassen des erforderlichen Motivationsschreibens.
 

Für mein Auslandssemester in Norwegen wurden Englischkenntnisse auf dem Niveau B2 vorausgesetzt, ein offizieller Sprachnachweis war jedoch nicht erforderlich. Mit der erfolgreichen Bewerbung auf einen Studienplatz in Norwegen war auch die finanzielle Förderung durch Erasmus+ verbunden, die mich während meines Aufenthalts unterstützt hat.


 

IfT: Nach welchen Kriterien hast du dein Zielland und die Gasthochschule ausgewählt? 


Sina: Die Entscheidung, mein Auslandssemester in Norwegen zu verbringen, fiel mir nicht schwer. Die Vorstellung, vier Monate lang von Bergen, Schnee und Nordlichtern umgeben zu sein, hat mich von Anfang an begeistert. Darüber hinaus bot die Gasthochschule in Evenstad Lehrveranstaltungen zu Themen wie Wald- und Wildtiermanagement an, die in Greifswald so nicht angeboten werden. Ein weiterer wichtiger Faktor war für mich die Möglichkeit, auf Englisch zu studieren und dadurch meine Sprachkenntnisse weiter zu vertiefen.


 

Wir durften viel vom Land, der Natur und der Kultur erleben.“


 

IfT: Wie kann man sich deinen Alltag während des Auslandssemesters vorstellen?


Sina: Während meines Auslandsaufenthalts studierte und lebte ich auf dem Campus Evenstad, der umgeben von wunderschönen Bergen und Flüssen, aber ansonsten mitten im Nirgendwo liegt. Da sowohl der Campus als auch die Kursgruppen sehr klein waren, bildeten sich schnell enge und herzliche Gemeinschaften. Die gemeinsame Freizeitgestaltung spielte dabei eine große Rolle: Wir versüßten uns die Zeit mit Volleyballspielen, Partys und Kaffeekränzchen an jedem Sonntag.
 

Besonders aufregend war für mich jedoch die Zeit außerhalb des Campus. An den Wochenenden waren wir wandernd in ganz Norwegen unterwegs und durften dabei viel vom Land, der Natur und der Kultur erleben.


 

IfT: Inwiefern unterschied sich das Studium an der norwegischen Hochschule von deinem Studium in Deutschland? 


Sina: Insgesamt unterschied sich das Semester in Norwegen nur wenig von meinen bisherigen Studienerfahrungen in Deutschland. Durch die kleineren Kursgruppen bestand jedoch ein deutlich engerer Kontakt zu den Dozierenden sowie auch unter den Studierenden. Besonders angenehm empfand ich die zeitliche Gliederung der Vorlesungen: Diese waren zwar insgesamt länger, wurden jedoch durch mehrere Pausen unterbrochen, was meine Konzentration förderte und dazu beitrug, dass mir die Vorlesungen mehr Spaß machten. Meine schriftlichen Prüfungen habe ich alle digital am Laptop geschrieben. Der gesamte Prüfungsablauf war dabei sehr gut organisiert und vorbereitet, sodass die Prüfungen sowohl inhaltlich als auch zeitlich als sehr fair empfunden wurden.


 

IfT: Was stellte während deines Aufenthalts in Norwegen die größte Herausforderung für dich dar und wie bist du damit umgegangen? 


Sina: Die größte Herausforderung während meines Aufenthalts in Norwegen war anfangs meine Nervosität, Freundschaften auf Englisch zu schließen sowie den Vorlesungen sprachlich gut folgen zu können. Diese Unsicherheiten verschwanden jedoch schon nach den ersten Tagen, da sowohl Studierende als auch Dozierende ganz selbstverständlich sprachliche Fehler machten und gemeinsam darüber lachten. So entwickelten sich nicht nur schnell tolle Freundschaften, sondern auch eine entspannte Atmosphäre im Kursraum, in der sich alle wohlfühlten.


 

Diese Begegnungen werden mir auch in Zukunft helfen, so tolerant und weltoffen wie nur möglich zu sein“


 

IfT: Welche Erfahrungen oder Erlebnisse aus deinem Auslandsaufenthalt haben dich besonders geprägt? 


Sina: Ursprünglich hatte ich mir erhofft, während meines Erasmus-Semesters möglichst viel über die norwegische Kultur zu lernen. Darüber hinaus durfte ich jedoch auch erfahren, wie der Karnevalsauftakt typischerweise in den Niederlanden gefeiert wird, wie das „Wichteln“ zu Weihnachten auf spanische Art funktioniert und wie man zu nepalesischer Volksmusik tanzt.
 

Die gemeinsamen Kochabende, bei denen mit großer Begeisterung die Traditionen unterschiedlichster Länder vorgestellt, diskutiert und gefeiert wurden, zählen zu meinen schönsten Erinnerungen an das Auslandssemester. Sicherlich werden mir diese Begegnungen auch in Zukunft helfen, so tolerant und weltoffen wie nur möglich zu sein. 


 

IfT: Gibt es etwas, das du im Rückblick auf dein Auslandssemester anders machen würdest? Wenn ja, was?


Sina: Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, mein Auslandssemester in Norwegen zu absolvieren, und bin dankbar für die vielen wertvollen Erfahrungen, die ich dort sammeln durfte. Rückblickend würde ich jedoch meine Planung in einem Punkt anders gestalten: In den ersten Wochen meines Aufenthalts musste ich noch an einer Ausarbeitung für die Universität Greifswald arbeiten. Beim nächsten Mal würde ich versuchen, solche Verpflichtungen im Vorfeld abzuschließen, da es schade war, dadurch an einigen Veranstaltungen auf dem Campus sowie an Wochenendausflügen nicht teilnehmen zu können.


 

IfT: Welche Ratschläge würdest du Studierenden geben, die ein Auslandssemester planen? 

 

Sina: Mein wichtigster Ratschlag ist, frühzeitig mit der Planung zu beginnen. So bleibt genügend Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, welches Zielland und welche Gasthochschule infrage kommen, welche Kurse im Ausland belegt werden sollen und – ganz besonders wichtig – keine Fristen zu verpassen.
 

Darüber hinaus kann ich allen Studierenden, die mit dem Gedanken spielen, ein oder mehrere Semester im Ausland zu verbringen, nur raten: Traut euch einfach! Für mich war das Auslandssemester eine einzigartige und wundervolle Erfahrung, in der ich viele tolle Menschen kennengelernt und unglaublich viel gelernt habe. 


 


 

Autorin: Lara Wachter studiert Journalismus, arbeitet als Werkstudentin in der Projektorganisation des Instituts für Talententwicklung und schreibt für das vocatium magazin.

 


 11.02.2026